Der Kurzentschlossene- oder wie ich die faszinierendste Reise meines Lebens machte

Anfang August 2014, der Sommer hält Europa im Griff und beglückt uns mit Wetterkapriolen. Und mein Jahresurlaub steht vor der Tür. Keine Pläne, keine Vorgaben. Nur 3 Wochen Urlaub von Mitte August bis Anfang September. Also, ab an den Computer und nachgesehen, was in der Zeit in der Welt los ist.

Moment- Kanada, Montreal. Das 38. Internationale Filmfestival, ja, das ist es. Über flug-und-hotel.ch online habe ich das Glück gehabt, noch Flug und Hotel als Kombi buchen zu können.

Anreise nach Montréal

Am Tag der Abreise verabschiedet mich die Heimat nochmal mit einem Mix aus Regengüssen und Sonne, doch die Abfertigung ist zum Glück schnell erledigt und ich bin meinem Ziel wieder ein ganzes Stück näher. Nach einem durchaus akzeptablen, wenn auch nicht üppigen Abendessen schaue ich mir noch den Bordfilm an und verschlafe den grössten Teil des gut 8 stündigen Fluges von Zürich nach Montreal.

Montréal begrüsst mich mit freundlichen 25 Grad und Sonnenschein. Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt habe ich das Gefühl, als summe die ganze Metropole vor Aufregung und Geschäftigkeit. Filmplakate aller Orte und faszinierende, aussergewöhnliche Menschen säumen die Strassen.

Vom Concierge meines Hotels lasse ich mir einen Spielplan der Filmfestspiele besorgen und studiere ihn in aller Ruhe bei einem – typisch amerikanisch – fett- und koffeinfreien Latte Macchiato im „eggspectation“ an der Rue Ste- Catherine. Montréal ist eine faszinierende Stadt, die immer wieder in mir Zweifel aufkommen lässt, ob ich mich tatsächlich auf dem nordamerikanischen Kontinent befinde. Europäische Autos, Europäische Architektur, gemischt mit den für Nordamerika typischen Hochhäusern und um mich herum ein Sprachengewirr. Hier höre ich Französisch, dort Englisch und vom Nachbartisch schnappe ich tatsächlich ein paar Deutsche Brocken auf, während vorn auf dem Gehsteig Japanische Touristen fotografierend vorbeischlendern.

Ich habe meine Filmplanung fertiggestellt, buche meine Filmtickets online und kann mich auf einige spannende, aussergewöhnliche Tage freuen. 10 Filmtheater versorgen den Besucher von morgens 9 bis um Mitternacht mit cineastischen Leckerbissen. Und dank der Tatsache, dass hier sogar eigentlich 3 Festivals stattfinden, ist wirklich für jeden etwas dabei. Die World Competition, die First Films Competition für die Newcomer und das Student Film Festival mit Produktionen der jungen Filmschaffenden.

Filmfestival im vollen Gange

Faszinierend ist die Bandbreite des Filmfestivals in Montreal. Ich hatte das Glück, den Grand Prize of the Americas Gewinnerfilm „Obediencia Perfecta“ (Perfekter Gehorsam) des mexikanischen Filmemachers Luiz Urquiza Mondragon sehen zu können. Eine bildgewaltige, grossartige Regiearbeit mit einer faszinierenden Story.

Zwischen meinen Kinobesuchen in den nächsten Tagen geniesse ich das Flair und den Esprit dieser frankokanadischen Grossstadt im Herzen Quebecs und weiss schon nach meinem ersten Tag: Diese Erinnerungen an meine Erlebnisse werden mich mein Leben lang begleiten und mich auf ewig faszinieren.

Todmüde falle ich nach einer entspannenden heissen Dusche in mein gemütliches Bett und freue mich auf die nächsten Tage.

Zweite Tag ohne Enttäuschungen weiter spannend

Träge und doch ein wenig vom Jetlag geplagt zwinge ich mich morgens hoch. Und werde für den unruhigen Schlaf und meine kleinen Augen durch ein grossartiges Frühstück entschädigt. Der Mix aus amerikanischem und europäischem Frühstück lässt keine Wünsche offen und entgegen der weitverbreiteten Annahme, auf dem nordamerikanischen Kontinent gäbe es keinen gute Kaffee, weckt dieser hier meine Lebensgeister wie ein guter doppelter Espresso.

Entspannt schlendere ich ein letztes Mal die Boul St-Laurent Richtung Rue Sainte-Catherine Ouest entlang. Schaue einen letzten Film im Théâtre Maisonneuve am Place-des-Arts und begebe mich dann mit einem Kopf voller Eindrücke und Erinnerungen an eine grossartige Zeit und eine noch grossartigere Stadt auf den Weg zurück in die Heimat.

Mit der Linie 747 geht es Richtung Aéroport international Pierre-Elliott-Trudeau de Montréal und ein letztes Mal geniesse ich das hier in Montréal so oft anzutreffende Grün an den Strassenrändern und die gelebte multikulturelle Vielfalt dieser Stadt.

Der Check-In geht auch diesmal wieder zügig vonstatten und der nächste Morgen sieht mich bereits wieder in Zürich in mein Taxi nach Hause steigen.

Für mich steht fest: Das 39ste Montréal World Film Festival Ende August 2015 wird mich wieder sehen. Und diesmal nicht ganz so kurzentschlossen- dafür mit mehr Zeit, besserer Vorausplanung und noch mehr Enthusiasmus.